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Emils Bio-Manufaktur

Süßen ohne Zucker eingeordnet

21. September 2026

Süßen ohne Zucker? Dicksaft, Sirup und Frucht eingeordnet

Glukosesirup, Agavendicksaft, Apfelsaft aus Konzentrat: alles Zucker. Was die Industrie zum Süßen nutzt – und warum 30 % Mango eine Sauce süß genug machen.

Süßen ohne Zucker klappt nur mit Süßstoffen oder Zuckeraustauschstoffen. Alles andere ist Zucker in anderer Form: Glukosesirup, Dextrose, Agavendicksaft, Apfelsaft aus Konzentrat. Auch Frucht bringt Zucker mit – aber gleich Geschmack dazu. Je mehr Frucht in einer Sauce steckt, desto weniger Süße muss zugesetzt werden.
Auf einen Blick
  • Lebensmittelrechtlich ist „Zucker“ jeder Einfach- und Zweifachzucker – egal, ob aus Rübe, Mais, Agave oder Apfel.
  • Dicksäfte und Saftkonzentrate zählen für WHO und EFSA zu den freien Zuckern. Wie Haushaltszucker.
  • „Ohne Zuckerzusatz“ darf nur heißen, was weder Zucker noch süßende Zutaten wie Dicksaft enthält.
  • In einer Sichtung von vier Curry-Mango-Saucen lag der Zuckergehalt bei 12 bis 17 g je 100 ml. Die Mango brachte davon nur einen kleinen Teil.
  • Mit 30 % Mango und ohne zugesetzte Süße kommt eine Curry-Mango-Sauce auf 5,1 g.

Womit süßt die Lebensmittelindustrie?

Mit mehr als Kristallzucker. Die EU-Zuckerrichtlinie definiert allein elf Zuckerarten, von Weißzucker über Invertzuckersirup bis Dextrose (RL 2001/111/EG). Dazu kommen Zutaten, die als Lebensmittel gelten und trotzdem vor allem süßen.
WegSo steht es auf dem Etikett
Raffinierter ZuckerZucker, Weißzucker, Saccharose, Rohrohrzucker
Sirupe aus StärkeGlukosesirup, Glukose-Fruktose-Sirup, Fruktose-Glukose-Sirup, Dextrose, Maltodextrin
Umgebauter ZuckerInvertzuckersirup, Karamellsirup, Fruktose
Süßende LebensmittelHonig, Agavendicksaft, Apfel- oder Birnendicksaft, Fruchtsaftkonzentrat, Traubenfruchtsüße, Malzextrakt
Ohne ZuckerSüßstoffe, Zuckeraustauschstoffe
Die Verbraucherzentrale nennt dieselben Namen und ergänzt Milch- und Molkenpulver als Quelle für Milchzucker (Verbraucherzentrale, 2024).
Viele Namen. Ein Stoff.

Warum steht Glukose-Fruktose-Sirup in so vielen Saucen?

Weil er aus Stärke gemacht wird, flüssig ist und sich leicht dosieren lässt. Glukosesirup ist laut Richtlinie eine gereinigte, konzentrierte Lösung von Zuckern aus Stärke oder Inulin (RL 2001/111/EG, Anhang Teil A Nr. 7).
Enthält er mehr als 5 % Fruktose in der Trockenmasse, heißt er Glukose-Fruktose-Sirup. Überwiegt die Fruktose, Fruktose-Glukose-Sirup. Die Reihenfolge im Namen verrät also, welcher Zucker dominiert.
Für die Nährwerttabelle ist das egal. Dort zählt als „Zucker“ jedes Mono- und Disaccharid, das im Lebensmittel steckt (LMIV, Anhang I Nr. 8). Der Zucker aus der Tomate genauso wie der aus dem Sirup.
Deshalb verrät die Zeile „davon Zucker“ nicht, woher die Süße kommt. Das steht nur im Zutatenverzeichnis. Und dort gilt: Je weiter vorn eine süßende Zutat steht, desto mehr ist drin (Lebensmittelklarheit, 2021).

Sind Agavendicksaft und Apfelsaft Alternativen zu Zucker?

Geschmacklich ja. Ernährungsphysiologisch nein. Sie sind Zucker.
Agavendicksaft entsteht, indem die Speicher-Kohlenhydrate der Agave aufgespalten und der Saft eingedickt wird. Er besteht zu rund 80 % aus Fruktose (Saraiva et al., 2022). Weil Fruktose stärker süßt, reichen laut Schrot&Korn etwa 80 g Agavendicksaft für die Süße von 100 g Zucker (Schrot&Korn, 2025).
Apfel- und Birnendicksaft sind eingekochter Fruchtsaft. Apfelsaft aus Konzentrat ist rückverdünnter Saft.
Die WHO zählt Zucker aus Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten ausdrücklich zu den freien Zuckern – neben zugesetztem Haushaltszucker (WHO, 2015). Die EFSA sieht das genauso und empfiehlt, freie Zucker so niedrig wie möglich zu halten (EFSA, 2022).
Ein Dicksaft ist also keine Ausnahme. Er ist eine andere Verpackung.

Und was ist mit Süßstoffen?

Süßstoffe sind die einzigen Süßungsmittel, die tatsächlich ohne Zucker auskommen. Sie tragen weder zum Zucker- noch zum Energiegehalt bei (Verbraucherzentrale, 2024). Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit liefern Energie und wirken in größeren Mengen abführend.
Beide sind Zusatzstoffe mit E-Nummer und brauchen eine Zulassung. Wir verwenden weder das eine noch das andere. Wie keinen einzigen Zusatzstoff.
Wie Süßstoffe bewertet werden und was die Behörden dazu sagen, klären wir in einem eigenen Beitrag. Das Thema ist zu groß für einen Absatz.
Hier bleibt es bei der Frage: Wie süßt man mit Lebensmitteln – und mit wie wenig?

Was heißt „ohne Zuckerzusatz“ auf dem Etikett?

Weniger, als viele denken.
Die Angabe ist nur zulässig, wenn ein Produkt weder zugesetzte Mono- oder Disaccharide noch „irgend ein anderes wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel“ enthält (VO (EG) Nr. 1924/2006, Anhang). Agavendicksaft, Apfeldicksaft oder Honig schließen die Angabe also aus.
Enthält das Lebensmittel von Natur aus Zucker, muss der Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“ dabeistehen.
Zwei Begriffe werden oft verwechselt:
  • Zuckerfrei heißt höchstens 0,5 g Zucker je 100 g oder 100 ml.
  • Zuckerarm heißt höchstens 5 g je 100 g, bei flüssigen Lebensmitteln 2,5 g je 100 ml.
„Ohne Zuckerzusatz“ sagt also nichts über die Menge. Nur über die Herkunft.

Wie viel Süße bringt die Frucht selbst?

Mehr, als man denkt – wenn genug Frucht drin ist.
Rohe Mango enthält laut Bundeslebensmittelschlüssel 11 g Zucker je 100 g, überwiegend Saccharose, dazu Fruktose und Glukose (BLS 4.0, MRI).
Eine Sauce mit 30 % Mango bekommt damit rechnerisch rund 3,3 g Zucker allein aus der Frucht. Das sind etwa zwei Drittel der 5,1 g, die unsere Curry-Mango-Sauce je 100 ml enthält. Der Rest stammt aus den übrigen Zutaten wie Zwiebel, Mandeln und Senf. Zugesetzt ist nichts.
Bei 4 % Mangopüree sieht die Rechnung anders aus: Die Frucht liefert dann rund 0,4 g. Bei einem Zuckergehalt von 16 g kommt der Großteil der Süße aus einer anderen Zutat.
Grobe Rechnung: Mango-Anteil als Gewichtsanteil, Zuckerwert von roher Mango, Nährwerte je 100 ml.

Der Vergleich: Curry-Mango-Saucen im Regal

KriteriumEmils Curry & Mango SauceGesichtete Curry-Mango-Saucen (09/2026)
Mangoanteil30 % Mango2,5 %, 4 % und 11 % Mango bzw. Mangopüree
Süßende ZutatenKeineZucker (2 von 3); Apfelsaft aus Konzentrat und Rohrohrzucker (1 von 3)
Zucker je 100 ml5,1 g12 bis 17 g, im Mittel 15,3 g (4 Produkte)
EssigWeißweinessig, ApfelessigBranntweinessig (3 von 3)
BindungMandeln, Senf, RapsölModifizierte Stärke, Xanthan, Guarkernmehl oder Maisstärke (3 von 3)
Bio-StufeBiolandKonventionell (2 von 3), EU-Bio (1 von 3)
Kurzfazit: Unsere Curry & Mango Sauce enthält 30 % Mango, keine süßende Zutat und 5,1 g Zucker je 100 ml – die gesichteten Vergleichsprodukte enthalten 2,5 bis 11 % Mango, setzen Süße zu und liegen bei 12 bis 17 g.
Gesichtet wurden am 17.09.2026 vier marktübliche Curry-Mango-Saucen: konventionelle Markenware sowie eine Bio-Sauce aus dem Bio-Handel. Zutatenverzeichnisse lagen für drei Produkte vor. Rezepturen können sich ändern.

Und beim Ketchup?

Beim Ketchup ist die Frucht die Tomate. Und Tomatenmark bringt eigenen Zucker mit.
Unsere drei Ketchups bestehen zu 79 bis 80 % aus Tomatenerzeugnissen und enthalten 12 g Zucker je 100 ml. Zugesetzt sind Agavendicksaft und – über den Aceto Balsamico – konzentrierter Traubenmost. Beides ist Zucker, beides steht so im Verzeichnis.
Sechs marktrelevante Tomatenketchups lagen in unserer Sichtung vom August 2026 bei 15,0 bis 22,2 g, im Mittel bei 19,2 g je 100 ml. Unsere liegen gut ein Drittel darunter. Gesüßt wird im Regal mit Zucker, Glukose- oder Stärkesirup, im Bio-Segment häufig mit Rohrohrzucker.
Ketchup ohne jeden Zucker gibt es nicht, solange er nach Tomate schmecken soll. Warum Kristallzucker trotzdem so verbreitet ist, steht in unserem Beitrag Raffinierter Zucker in Ketchup.

Wie süßen wir bei Emils?

Ohne Kristallzucker. Ohne Glukosesirup. Ohne Süßstoff. Und so wenig wie möglich.
Wo eine Sauce Süße braucht, nehmen wir ein Lebensmittel, das nach etwas schmeckt. Im Ketchup und in der Barbecue Sauce: Agavendicksaft. In Mayo, Remoulade und Aioli: Apfelsaft aus Konzentrat. Im Süßen Senf: Apfel- und Birnendicksaft. Im Honig-Senf-Dressing: Honig.
Und oft den Aceto Balsamico di Modena IGP. Seine Spezifikation verlangt mindestens 20 % eingekochten oder eingedickten Traubenmost und mindestens 110 g reduzierende Zucker je Liter (VO (EG) Nr. 583/2009). Süße und Säure in einer Zutat.
Traubenmost statt Glukosesirup.
Am liebsten lassen wir die Zutat selbst süßen. In der Curry & Mango Sauce steckt deshalb so viel Mango, dass nichts nachgesüßt werden muss.
Hätte Deine Oma auch so gemacht.

Wie erkennst Du Süßungsmittel auf dem Etikett?

Dreh das Glas um und lies zwei Stellen.
Die Nährwerttabelle sagt, wie viel Zucker insgesamt drin ist. Sie unterscheidet nicht zwischen Mango und Sirup.
Das Zutatenverzeichnis sagt, woher die Süße kommt. Achte auf:
  • Wörter mit -zucker, -sirup, -dextrose, -ose
  • Dicksäfte, Saftkonzentrate, Honig, Malzextrakt
  • die Position: Zutaten stehen nach Gewichtsanteil, die schwerste vorn
Steht dort eine süßende Zutat und zugleich wenig Frucht, kommt die Süße vom Hersteller. Steht dort viel Frucht und keine süßende Zutat, kommt sie aus der Frucht.
Eine Faustregel hilft beim Vergleichen: Den Zuckerwert je 100 g neben den Fruchtanteil legen. 30 % Mango bei 5 g Zucker erzählen eine andere Geschichte als 4 % Mango bei 16 g.

Häufige Fragen zum Süßen ohne Zucker

Ist Agavendicksaft gesünder als Zucker?

Agavendicksaft ist Zucker, überwiegend Fruktose. WHO und EFSA zählen Zucker aus Sirupen zu den freien Zuckern, die möglichst niedrig bleiben sollen. Er süßt stärker, deshalb braucht man etwas weniger davon.

Darf ein Produkt mit Apfelsaftkonzentrat „ohne Zuckerzusatz“ heißen?

Nein. Die Angabe ist nur zulässig, wenn weder Zucker noch ein anderes wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel zugesetzt wurde.

Zählt der Zucker aus Früchten in der Nährwerttabelle mit?

Ja. Als „Zucker“ gelten alle im Lebensmittel vorhandenen Einfach- und Zweifachzucker, unabhängig von ihrer Herkunft.

Welche Emils-Produkte enthalten keine süßende Zutat?

Zum Beispiel die Curry & Mango Sauce und der Mittelscharfe Senf. Ketchups, Mayos und Dressings enthalten Agavendicksaft, Apfelsaft, Honig oder Aceto Balsamico – aber keinen Kristallzucker.

Fazit

Süßen ohne Zucker gibt es nur mit Süßstoff oder Zuckeraustauschstoff. Dicksaft, Sirup und Saftkonzentrat sind Zucker, auch wenn sie anders heißen. Wer das weiß, liest Etiketten anders.
Die ehrlichere Frage lautet: Wie viel Süße muss überhaupt dazu? Unsere Antwort ist so wenig wie möglich. Und am liebsten keine – weil die Mango, die Tomate oder der Traubenmost sie schon mitbringen.
Wenn Du sehen willst, wie das schmeckt: Fang bei der Curry & Mango Sauce an.

[1] Richtlinie 2001/111/EG des Rates vom 20. Dezember 2001 über bestimmte Zuckerarten
für die menschliche Ernährung, konsolidierte Fassung vom 18.11.2013.
EUR-Lex, CELEX 02001L0111-20131118. Abgerufen am 17.09.2026.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02001L0111-20131118
[2] Verbraucherzentrale Bundesverband: „Zucker und Zuckerersatz: So erkennen Sie
Süßmacher in Lebensmitteln". Stand 05.04.2024. Abgerufen am 17.09.2026.
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/zucker-und-zuckerersatz-so-erkennen-sie-suessmacher-in-lebensmitteln-11552
[3] Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über
Lebensmittel (LMIV), Anhang I Nr. 8, konsolidierte Fassung vom 01.04.2025.
EUR-Lex, CELEX 02011R1169-20250401. Abgerufen am 17.09.2026.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02011R1169-20250401
[4] Lebensmittelklarheit (Verbraucherzentrale Bundesverband): „Zucker hat viele Namen".
09.02.2021. Abgerufen am 17.09.2026.
https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/zucker-hat-viele-namen
[5] Saraiva, A., Carrascosa, C., Ramos, F., Raheem, D. & Raposo, A.: „Agave Syrup:
Chemical Analysis and Nutritional Profile, Applications in the Food Industry and
Health Impacts". International Journal of Environmental Research and Public Health
19, 7022 (2022). DOI: 10.3390/ijerph19127022. Abgerufen am 17.09.2026.
https://www.mdpi.com/1660-4601/19/12/7022
[6] Giese-Seip, A.: „Agavendicksaft statt Zucker". Schrot&Korn, aktualisiert
23.05.2025. Abgerufen am 17.09.2026.
https://schrotundkorn.de/essen/sirup-agavendicksaft-reissirup-dattelsirup
[7] Weltgesundheitsorganisation (WHO): „WHO calls on countries to reduce sugars intake
among adults and children". 04.03.2015. Abgerufen am 17.09.2026.
https://www.who.int/news/item/04-03-2015-who-calls-on-countries-to-reduce-sugars-intake-among-adults-and-children
[8] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): „Added and free sugars should
be as low as possible". 28.02.2022. Zugehörige Stellungnahme: EFSA NDA Panel,
Tolerable upper intake level for dietary sugars, EFSA Journal 2022;20(2):7074,
DOI: 10.2903/j.efsa.2022.7074. Abgerufen am 17.09.2026.
https://www.efsa.europa.eu/en/news/added-and-free-sugars-should-be-low-possible
[9] Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über
Lebensmittel, Anhang, konsolidierte Fassung vom 13.12.2014.
EUR-Lex, CELEX 02006R1924-20141213. Abgerufen am 17.09.2026.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02006R1924-20141213
[10] Max Rubner-Institut: Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, Lebensmittel
„Mango roh", Code F516100. Abgerufen am 17.09.2026.
https://blsdb.de/bls
[11] Verordnung (EG) Nr. 583/2009 der Kommission vom 3. Juli 2009 zur Eintragung der
Bezeichnung „Aceto Balsamico di Modena" (g.g.A.), Anhang Punkt 4.2 und 4.5.
EUR-Lex, CELEX 32009R0583. Abgerufen am 17.09.2026.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32009R0583
Die Angaben zu Vergleichsprodukten stammen von den Etiketten bzw. den Herstellerangaben
und aus Open Food Facts, Stand 17.09.2026 (Curry-Mango-Saucen) und 24.08.2026 (Ketchups).

Häufig gestellte Fragen