9. April 2026
Senf aus der Nachbarschaft
Eine Story über kurze Lieferketten, lebendige Böden, Solarstrom auf dem Acker – und warum Kanada mit dem deutschen Senfmarkt eigentlich nichts zu tun haben müsste.
Wenn man bei Emils ein Glas mittelscharfen Senf aufschraubt oder den süßen Senf über eine Weißwurst zieht, steckt darin eine Zutat, die überraschenderweise keine weite Reise hinter sich hatte. Senfsaat für den deutschen Markt kommt traditionell nämlich aus Kanada, Russland, der Ukraine oder aus Osteuropa. Dass das auch anders geht, zeigt seit der Ernte 2025 die Familie Wiggert mit ihrem Bioland-Betrieb in Löffingen im Schwarzwald.
Es ist die erste Ernte – und ein Anfang, auf den wir stolz sind. Nicht weil „regional" ein schönes Wort ist, sondern weil es hier bedeutet: Wir wissen genau, wer den Senf angebaut hat, auf welchen Böden, nach welchen Regeln, mit wieviel Sorgfalt. Und wir können es prüfen.
Wo kommt Senfsaat eigentlich her?
Senf hat in Deutschland eine jahrtausendealte Geschichte. Karl der Große ordnete 795 an, dass jeder in seinem Garten Senf anbauen solle. Heute importiert Deutschland einen Großteil der benötigten Senfsaat aus dem Ausland.
Nach Daten des Verbands der Hersteller kulinarischer Lebensmittel werden in Deutschland jährlich rund 81.000 Tonnen Senf produziert. Für die dafür benötigte Senfsaat sind Deutschland und die EU auf Importe angewiesen. Die wichtigsten Lieferländer für den deutschen Markt sind historisch Kanada, die Ukraine und Russland – mit schwankenden Anteilen je nach Erntejahr und geopolitischer Lage. Laut dem Branchenportal Mundus Agri entfielen in einer Saison (2022) auf Kanada, Russland und die Ukraine zusammen über 80 Prozent der deutschen Senfsaatimporte.
Quellenlage zur Senfimport-Herkunft
Die Handelsstatistiken zu deutschen Senfsaatimporten werden vom Statistischen Bundesamt (Destatis) unter der Zolltarifnummer 1207 90 (Senfsaat) erfasst. Aufbereitete Marktdaten publiziert das Branchenportal Mundus Agri (mundus-agri.de) auf Basis dieser amtlichen Statistiken sowie kanadischer Agrar-Behördendaten (Agriculture and Agri-Food Canada). Laut FAO-Daten (2021) produzierten Nepal (220.250 t), Russland (144.593 t) und Kanada (60.532 t) weltweit am meisten Senfsaat – Nepal vor allem für den Eigenbedarf, Kanada als weltgrößter Exporteur mit einem Weltmarktanteil von rund 57 Prozent (Exportanteil).
Kanada baut Senf überwiegend in den Prärieprovinzen Saskatchewan und Alberta an – in industriellem Maßstab, meist als Monokultur, mit entsprechend intensivem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Das ist tausende Kilometer von Deutschland entfernt.
Konventioneller Senf vs. Bio-Senf: Die Unterschiede beginnen auf dem Acker
Konventionell:
- Chemisch-synthetische Pestizide erlaubt
- Mineralischer Kunstdünger erlaubt
- Großflächige Monokulturen üblich
- Kein Nachweis der Produktionsbedingungen
- Häufig: Branntweinessig im Endprodukt
- EU-Normen für Rückstände gelten
EU-Bio:
- Keine chemisch-synthet. Pestizide
- Kein mineralischer Stickstoffdünger
- Bis zu 47 Zusatzstoffe im Endprodukt erlaubt
- Regelmäßige Kontrollen
- Fruchtfolge empfohlen, nicht zwingend
- Herkunft der Rohware: optional
Bioland:
- Strengere Auflagen als EU-Bio
- Geschlossene Nährstoffkreisläufe
- Fruchtfolge verpflichtend
- Keine Palmölprodukte, keine Gentechnik
- Direktbeziehungen zu Abnehmern gefördert
- Jährliche Betriebskontrollen
Der Haslachhof in Löffingen: Ein erstes Experiment mit Folgen
Der Haslachhof liegt in Löffingen im Schwarzwald, auf einer Höhenlage, die für Landwirtschaft keine selbstverständliche Kulisse ist. Die Familie Wiggert führt dort einen Bioland-zertifizierten Betrieb. Für die Ernte 2025 entschloss sie sich, erstmals Senf anzubauen – auf Flächen, die gleichzeitig Strom produzieren.
Der Haslachhof liegt in Löffingen im Schwarzwald, auf einer Höhenlage, die für Landwirtschaft keine selbstverständliche Kulisse ist. Die Familie Wiggert führt dort einen Bioland-zertifizierten Betrieb. Für die Ernte 2025 entschloss sie sich, erstmals Senf anzubauen – auf Flächen, die gleichzeitig Strom produzieren.
„Neue Kulturen erweitern immer die Fruchtfolge und erhöhen so die Bodenfruchtbarkeit. Der Senf ist gut darin, Unkraut zu unterdrücken – es ist weniger Striegeln und Hacken notwendig."
– Familie Wiggert, Haslachhof Löffingen (haslachhof.de)



